wirtschaftsblatt.at, 2. Juli 2014

Neue Aufgaben für alte Fässer

In den rund 40.000 gebrauchten Barriquefässern der burgenländischen Winzer entdeckte Henning Peters ein umsatzträchtiges Geschäftsfeld: die „Rekonditionierung“, also die Aufbereitung der Fässer.

500 €, 700 € und mehr einfach auf den Müll zu werfen, damit wollte sich Henning Peters nicht abfinden. Um diesen Preis sind Barriquefässer zu haben. Schnapsproduzenten und vor allem Winzer ließen in den Holzfässern oft nur drei Mal ihre Edelbrände und Weine reifen. Henning Peters, im achtzigsten Lebensjahr und nach wie vor Gesellschafter der Firma Hochdruck-Systeme in Pöttsching, wollte eine bessere Recyclingmethode für die Fässer entwickeln: „Rekonditionierung“ heißt das in der Fachsprache.

kk-vinum

Barreco-Geschäftsführer Karlo Lipovac (li.) war auch bei der Weinmesse Vievinum in Wien auf der Suche nach Neukunden. Winzer Markus Kirnbauer (re.) aus Deutschkreutz gehört bereits dazu

Recycling um 200 € 

Peters gründete als Gesellschafter mit Karlo Lipovac als Geschäftsführer das Zweimannunternehmen Barreco, erforschte – unterstützt von der Forschungsfördergesellschaft (FFG) – zwei Jahre lang seine Wasserstrahltechnik. Peters investierte 500.000 € in seinen ersten Prototypen für die Wiederaufbereitung der Fässer. Für diese maschinelle Rekonditionierung verlangt die Firma maximal 200 € pro Fass, bei größeren Aufträgen sinkt der Tarif auf rund 160 € pro Stück. Seit Anfang 2014 bemüht sich Lipovac nun um Kunden, einhundert Fässer wurden bereits wiederaufbereitet. Das Anlaufen gestaltet sich also noch etwas zäh: „Die traditionell orientierten Winzer sind da recht schwierig“, stellt Lipovac fest.

Die neue Methode stellt laut der Bundesanstalt für Weinbau eine Qualitätsverbesserung dar. „Wir tragen zwischen drei und vier Millimeter der Holzschicht ab“, erklärt Lipovac. Der mit 3600 Bar austretende Wasserstrahl könnte auch Stahl schneiden, reinigt momentan aber bis zu acht Fässer pro Tag. Danach erneuert Barreco computergesteuert die Röstung des Fasses, das sogenannte Toasting, je nach Winzerwunsch.

Autor: Roland Graf
(mit freundlicher Genehmigung von „wirtschaftsblatt.at“)